Ich liebe Herausforderungen. Aber 33 Portraits an drei Tagen mit einem Fenster von je 4 Stunden. WOW – das war spannend!
Ganz ehrlich, so fertig war ich selten nach einem (3) Shooting(s). Nachfolgend möchte ich meine Erfahrungen und Tipps zu solchen Jobs weitergeben.
Die jungen Pianisten und Sänger waren im 20 Minuten Abstand eingeteilt. Einzelaufnahmen und DUO-Shots, Frauen und Männer, unsortiert. Für Männer bevorzuge ich meistens hartes Licht und für Frauen ein Beautylight Setup oder ein sehr weiches Licht. Männer und Frauen wechselten sich ab, ich konnte also nicht ein Setup aufbauen und dieses nur für die Männer verwenden oder nur für die Frauen. Dazu hätte ich zwei Aufbauten gebraucht, dafür fehlte mir aber die notwendige Ausrüstung.
Ich hatte zwei Blitzgeräte (Canon Strobes) und diese galt es sinnvoll einzusetzen!
Weißer, Grauer, Bunter oder Schwarzer Hintergrund?
Ich entschied mich für den schwarzen da ich diesen am Stilvollsten für Portraits finde. Für den weißen Hintergrund, bzw. den Bunten hätte ich ein Blitzgerät abzweigen müssen, die Vorstellung machte mir eher Stress. Ich habe dazu einen schwarzen Molton Theater Stoff aufgespannt und die Models zwei Meter davor platziert, das Licht nahe bei der Person positioniert und der Hintergrund war SCHWARZ.
Als Lichtformer habe ich einen Durchlichtschirm und/bzw. zwei Minisoftboxen (50×50 cm) verwendet.
Die Beziehung zu den Künstlern: Das ist der wichtigste Punkt. Wenn man es nicht in kurzer Zeit schafft einen Bezug zu der Person herzustellen dann gelingt es meines Erachtens auch nicht die Person in seiner Natürlichkeit zu zeigen. Mir geht es bei Portraits darum die Person zu zeigen wie ich sie wahrnehme, nicht was sie schauspielert, und Künstler auf der Bühne sind Schauspieler.
Wie bekommt man sie dann aus der Reserve? Dafür gibt es kein Schema das man befolgen könnte. Es ist Intuition, Erfahrung und die Freude daran mit Menschen zu arbeiten. Wer sich unwohl fühlt, unsicher ist wird es schwer haben tolle Portraits zu schaffen. Üben, üben üben!
Ich kann euch nur verraten was ich versuche, und das fangt bei mir selbst an. Ich fühle nach in welcher Stimmung ich bin und versuche Spaß, Gelassenheit und Freude rüber zu bringen. Nicht geschauspielert sondern fühlend, authentisch und ehrlich. Das ist die Basis meines Schaffens. Fühle ich mich unwohl – fühlt sich mein Gegenüber unwohl. Und glaubt mir, euer Gegenüber versucht bewusst oder unbewusst euch auf die selbe Weise zu beeinflussen. Bleibt bei euch und ignoriert was die anderen schauspielern. Konzentriert, fokussiert, wissend dass ihr nur das beste für EUCH und die anderen wollt!!!
Die Models:
Mein erster Klient war Javier Arrebola und ich nahm eine Softbox als Hauptlicht und eine als Rimlight/Seperationslicht. Dieses Setup verwendetet ich für fast alle Männer und einige Frauen. Das Hauptlicht war als Rembrandt-Lighting eingestellt (unter einem Auge sieht man ein Lichtdreieck). Schatten und Licht formen das Gesicht dominat. Nur auf welcher Seite soll das Hauplicht stehen? Hier steht es rechts von der Kamera. Dies hebt den Haarscheitel stark hervor:
Das Hauptlicht steht jetzt links von der Kamera und die Haare wirken viel jugendlicher, nicht so streng wie am vorherigen Bild, aber die Blitzlichter sind mir zu hell für den Eindruck den ich erzeugen will.
Am dritten Bild habe ich die Blitzintensität um einen F-Stop reduziert und das Foto wirkt gleich harmonischer. Das ist das finale Resultat des ersten Teilnehmers. Das Rimlight hebt Schultern und Kopf vom Hintergrund ab und erzeugt eine dynamische Stimmung.
Nr. 2 - Ellen Valkenburg: Als erstes nahm ich jede Person frontal von Vorne auf. Immer. Um zu kontrollieren ob das Licht stimmig ist oder nicht. Mein erster Gedanke nach der ersten Aufnahme war: Nein, Frontal passt nicht zu Ellen. Zweiter Versuch – Profilaufnahme. Volltreffer. Das Licht ist noch zu intensiv.
Das Hauptlicht ist die 50x50cm Softbox links von der Kamera. Ungefähr auf Augenhöhe und etwas mehr auf der rechten Gesichtsseite von Ellen, dadurch entsteht der kleine Nasenschatten der hier im Bild zu sehen ist. Nicht optimal, die Softbox hätte mittig zum Gesicht sein sollen, dann wäre der Schatten weg gewesen, dafür entstand vom Kind bis zu den Wangen eine Schattenlinie die ich wunderbar finde. Die zweite Softbox stand hinter Ellen und zeigt ihre Haare die ohne diesem Licht nicht zu sehen gewesen wären. Also ein Zangenlicht, links und rechts von der Kamera auf Höhe des Models. Das Licht zeigt das Muster in der Bluse ohne zu viel Aufmerksamkeit vom Gesicht abzulenken. Bei einem klassischen Portrait soll das Gesicht die meiste Aufmerksamkeit bekommen nicht die Kleidung. Bei Fashion-Shootings ist es umgekehrt, darum sehen dort die Models meistens zum Boden und die Emotion wirkt kühler. Bei Profilaufnahmen sollten die Augen des Models nicht gerade aus schauen sondern leicht in Richtung des Fotografen zeigen, wie hier zu sehen ist, sonst wirken die Augen abgeschnitten.
Das erste DUO, Ellen und Javier. Eigentlich hätte hier noch ein zweites Licht von hinten zünden sollen, dies blieb aus und der Schatten formt das Gesicht schmäler. Glückstreffer. Was ich hier noch ändern würde ist die Zwei in Photoshop näher an einander zu rücken. Alle Fotos die ihr hier seht sind unbearbeitet (bis auf Belichtung und Sättigung).
Next up - Richard McGrath: Erster Eindruck – Ein markantes Gesicht das ich mit Licht unterstreichen möchte. Rembrandt-Lightning für Dramatik und ein Rimlight um seine linke Gesichtsseite nicht in Schwarz absaufen zu lassen. Dies hätte sein Gesicht dünner gemacht – nicht passend! Das Rimlight holt einen Teil des Gesichts zurück und hebt die Haare vom Hintergrund ab. Am ersten Bild ist der Gesichtsausdruck aber nicht zufrieden stellend. Manchmal hilft dieser Trick: Am zweiten Foto lies ich Richard ein böses, ernstes Gesicht machen und fest auf die Zähne beißen. In der Ausbildung zum Physiotherapeuten lernte ich folgenden Satz: Nach einer maximalen Anspannung folgt eine maximale Entspannung.
Am finalen Foto sieht man danach die Entspannung. Probiert die Technik mal bei euch aus! Wird auch oft bei Schlaflosigkeit angewendet ;-)
Das schöne am Rembrandt-Light ist, dass beide Augen vom Blitzlicht zu sehen sind, aber trotzdem viel Schatten zu sehen ist der Tiefe und Dimension erzeugt und so die Gesichtsformen hervor hebt.
Virginie Verrez – was für eine wundervolle Schauspielerin. Sie betrat den Raum und nahm ihn für sich ein. Genau so wollte ich sie nicht zeigen. Ich lies die Augen schließen einen tiefen Atemzug machen und diesen dann wieder unkontrolliert raus zu lassen. Das ist gar nicht so einfach, meistens muss ich es 2-3x vormachen bis sie ihren Atem fallen lassen können. Mit dem Fallenlassen verschwinden oft auch Anspannungen und verspannte Gesichtszüge. Wenn ihr einen freien unkontrollierten Atemzug macht, könnt ihr nicht angespannt sein, das ist physiologisch unmöglich! Der Trick ist, dass man es selbst schon 1000x gemacht hat (ein Dank an meine große Tochter ;-) und es vorzeigen kann, unterstützend anleiten. Dies sieht man am ersten Foto. Am zweiten Foto schaut sie schon entspannt drein und der blick zum Boden ist wunderbar. Beim dritten Bild lies ich sie die Atemübung nochmals machen, und sie musste unkontrollierbar lachen. Volltreffer.
Bis zum finalen Foto (unten) habe ich den Auslöser 2x öfter betätigt und ich bekam meinen stimmigen Gesichts-Ausdruck. Der Lichtaufbau ist ein Beautylight – Softbox von oben, nah am Gesicht und ein silberner Reflektor unterhalb. Das Rimlight blieb vom Shooting mit Richard unbemerkt stehen und zeichnet ihre rechte Gesichtsseite nach, ungewollt aber ansprechend, es unterstreicht ihre Gesichtsform. Typisch für dieses Beautylight ist der symmetrische Nasenschatten. Ohne den Reflektor wären die Schatten zu hart für Virginie gewesen.
Im Nachhinein betrachtet hätte ich den Haaren mehr Aufmerksamkeit schenken können, die fliegen kreuz und quer, dies schmälert aber nicht dass es ein wunderschönes Portrait ist.
Mehr Tipps folgen in den nächsten Tagen!
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Sehr coole Idee :D
ich hab mir letzte Woche ne neue (gebrauchte ;D) Sigma SD15 gekauft und hab die nächsten zwei Wochen Urlaub, da möcht ich auch irgendein Fotoprojekt starten und ich denke, ich werd mich da von euch ein wenig inspirieren lassen und auch was mit Portraitfotografie machen…
Halt nicht von Berühmtheiten, aber vielleicht von willigen Wien-Touristen oder Freunden oder dergleichen, mal sehen, muss noch überlegen :D
25 Personen aus unterschiedlichen Ländern vor unterschiedlichen A-typischen Touristen Spots aus einer neuen Perspektive. Das klingt doch nach einer Herausforderung. Viel spaß dabei. Poste doch die Links hier zu deinen Touristen ;-)